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Datenrettung mit Babybonus: Wie ein MacBook von 2010 wieder zum Leben erwachte

Eigentlich ging es um eine Daten­ret­tung bei einem Mac­Book Pro aus dem Jahr 2010. Nach mehreren Stürzen startete das Betrieb­ssys­tem nicht mehr. Auf dem Gerät befan­den sich allerd­ings zahlre­iche Baby­fo­tos, die der Kundin sehr am Herzen lagen. Sie war allein­erziehende Mut­ter eines Schulkindes, Mitte 40 und tech­nisch nicht ver­siert, aber ziem­lich cool drauf. Beim Erst­ge­spräch zeigte sie mir neben dem defek­ten Note­book auch zwei externe USB-Fest­plat­ten. Ihre Frage: Ob ich die Mul­ti­me­di­a­dateien, von denen einige bis ins Jahr 2006 zurück­re­icht­en, auf ihr neues Apple Mac­Book Pro mit M2-Chip über­tra­gen könne.

Ich: „Darf ich fra­gen, warum Sie das möcht­en? Sie haben eigentlich eine sehr intel­li­gente Back­up-Lösung. Wenn Ihrem neuen Mac­Book M2 etwas passiert – etwa ein Sturz oder ein Wasser­schaden – ist eine Daten­ret­tung nahezu aus­geschlossen. Der Großteil der Kom­po­nen­ten ist fest mit dem Main­board ver­lötet.“

Kundin: „Aha. Naja, die bei­den Fest­plat­ten sind lei­der kaputt.“

(Ich betra­chte die exter­nen Laufw­erke. Äußer­lich sehen sie neuw­er­tig aus – doch allein am Gewicht erkenne ich: klas­sis­che 2,5‑Zoll-HDDs mit mech­a­nis­chem Auf­bau.)

Ein älteres silbernes Apple MacBook Pro mit schwarzem Bildschirmrand steht geöffnet auf einem weißen Tisch. Auf dem Display ist der farbenfrohe macOS-Hintergrund mit orange-roten Berggipfeln bei Sonnenuntergang zu sehen. Angeschlossen sind zwei externe Festplatten in Schwarz – eine liegt links, die andere rechts auf der Handballenauflage. Beide Laufwerke sind per USB-Kabel mit dem Laptop verbunden. Der Schreibtisch ist aufgeräumt, der Fokus liegt ganz auf dem Gerät und der Datensicherung. Die Szene vermittelt das Gefühl von Technikkompetenz, Fürsorge und Vertrauen – hier wird sichtbar an etwas Wichtigem gearbeitet, vermutlich an der Rettung persönlicher Erinnerungen wie Fotos oder Dokumente

Ich: „Was genau ist passiert?“

Kundin: „Ich war mit den Sachen bei einem Laden auf der Land­straße. Die mein­ten, die Plat­ten sind zu alt – das würde beim Kopieren alles zusam­men­brechen.“

Ich: „Hat man dort eine Diag­nose gemacht?“

Kundin: „Nicht wirk­lich. Der Verkäufer hat ein­fach eine Fest­plat­te an mein neues Mac­Book gesteckt – und die hat Geräusche gemacht.“

Ich: „Das ist bei mech­a­nis­chen Fest­plat­ten ganz nor­mal. Die enthal­ten rotierende Mag­netscheiben – meist mit 5400 Umdrehun­gen pro Minute. Solche Laufw­erke geben immer Geräusche von sich. Im Gegen­satz zu SSDs spe­ich­ern sie Dat­en auch physisch auf den Plat­ten – das macht sie zu robusten Archivme­di­en.“

Kundin: „Ich kenn mich da null aus. Hab dann dort eine neue externe Fest­plat­te gekauft – für 139,99 €.“

(Ich nehme meinen Lap­top zur Hand, starte bei jedem Laufw­erk eine Kurz­di­ag­nose.)

Ich: „Die neue LaC­ie-Fest­plat­te kön­nen Sie zurück­geben – voraus­ge­set­zt, Sie haben noch den Kassen­zettel.“

Kundin: „Ich weiß nicht. Der Verkäufer meinte auch, dass die alten Plat­ten voll sind. Ich will ein­fach nichts ver­lieren.“

Ich: „Ich hätte einen Vorschlag: Wir machen einen Zusatza­uf­trag – hier, Punkt 73 im Leis­tungskat­a­log: *Fest­plat­ten-Gesund­heitscheck*. Ich prüfe jede Plat­te einzeln, erstelle einen schriftlichen Zus­tand­bericht (laminiert) samt Empfehlun­gen – und wenn nötig, repariere ich auch das Dateisys­tem.“

(Sie wirkt kurz unsich­er und denkt nach.)

Ich: „Keine Sorge, ich will Ihnen nichts auf­schwatzen. Wenn Sie möcht­en, über­trage ich die Dateien ein­fach auf die neue Fest­plat­te. So, wie es für Sie passt.“

Kundin: „Ich ver­traue Ihnen jet­zt ein­fach mal.“

Ich: „Danke – freut mich sehr. Ich nehme alles mit, das dauert näm­lich länger. Ihre Geräte bekom­men Sie dann zum vere­in­barten Ter­min voll­ständig zurück.“

Screenshot eines Diagnoseprogramms zur Festplattenüberwachung. Angezeigt wird eine interne Festplatte vom Typ WDC WD3200BPVT-00HXZT1 mit einer Kapazität von 320 GB und einer Drehzahl von 5400 U/min, die per USB angeschlossen ist. Der Gesundheitsstatus ist mit einem großen blauen Button als „Good“ markiert, die Temperatur beträgt 21 °C. Im unteren Bereich sind S.M.A.R.T.-Attribute wie „Read Error Rate“, „Spin-Up Time“, „Power-On Hours“ und andere gelistet. Die Betriebszeit der Festplatte beträgt lediglich zwei Stunden, was auf eine neuwertige Nutzung hindeutet. Allgemeine Angaben: Modell: WDC WD3200BPVT-00HXZT1 (320 GB) Drehzahl: 5400 RPM – typisch für leise 2,5-Zoll-Notebookplatten Anschluss: USB über SATA-Controller Power-On Hours: 2 Stunden Power-On Count: 20 Einschaltvorgänge Temperatur: 21 °C – idealer Wert Die Festplatte ist in einem einwandfreien Zustand. Es liegen keine Anzeichen für defekte Sektoren, mechanische Probleme oder Alterung vor. Mit nur zwei Stunden Laufzeit ist sie praktisch ungenutzt. Die minimale Abweichung beim „Spin-Up Time“-Wert (Attribut 03) ist nicht kritisch, sondern liegt im Rahmen der typischen Toleranzen nach ersten Inbetriebnahmen. Diese Festplatte ist technisch vollkommen in Ordnung und kann problemlos weiterverwendet werden – z. B. als Backup-Medium oder für Archivdaten. Ein Wegwerfen wäre aus technischer Sicht völlig unbegründet

Das eine USB-Laufw­erk hat­te 61, das andere nur zwei Betrieb­sstun­den auf dem Buck­el. Bei ersterem war eine Reparatur des HFS+-Dateisystems zwin­gend erforder­lich. Ohne mein Zutun hätte die Kundin zwei qua­si neuw­er­tige Daten­träger entsorgt – dabei waren bei­de nur zu etwa einem Drit­tel befüllt.

Auch das alte Mac­Book Pro (Bau­jahr 2010) ließ sich wieder in Gang brin­gen: Eine neue SATA-SSD als Sys­tem­laufw­erk – und schon kon­nte das Gerät mit dem aktuell­st­möglichen macOS wieder durch­starten.

Heute nutzt der Sohn der Kundin das Gerät für die Schule (Libre­Of­fice) – und natür­lich zum Minecraft-Zock­en mit dem AT-Launch­er.

Kundin: „Wow, da hätte ich mir gar kein Mac­Book mit M2-Chip kaufen müssen.“

Sohn: „🕹️😄.“

Ich: „Naja … ein Mac­Book ist eben auch ein Lifestyle-Pro­dukt. Und wenn man in bes­timmten Kreisen unter­wegs ist, möchte man ja nicht abfall­en.“

(Die Kundin ver­sucht mir zu fol­gen – ein leicht amüsiertes Stirn­run­zeln.)

Sohn: „🧑‍💻 Mama cool, jet­zt hab ich mein eigenes Minecraft!“

Ich: „Und Sie haben Ihrem Sohn ein richtig schönes Geschenk gemacht.“

Ein silbernes MacBook Pro aus dem Jahr 2010 steht geöffnet auf einem weißen Tisch. Auf dem Bildschirm läuft das Betriebssystem macOS Sierra 10.12.6 mit dem ikonischen Bergpanorama in warmen Rottönen. Die Tastatur ist klassisch schwarz-silbern – ein typisches Merkmal älterer Apple-Modelle. Direkt unter dem Trackpad klebt ein großer, roter Tintenfisch-Aufkleber mit dem Namen Tinti, der auf eine humorvolle und persönliche Note hinweist. Der Sticker macht deutlich, dass das MacBook der Ärztin Dr. med. univ. Astrid Bukal gehört. Links neben dem Gerät ist eine schwarze externe USB-Festplatte angeschlossen – vermutlich zur Datensicherung. Der verschwommene Hintergrund lässt auf eine helle, moderne Umgebung schließen – das Foto wurde in einem Raum der Pädagogischen Hochschule Linz aufgenommen, was auf den Bildungsbezug und den professionellen Einsatz des Notebooks hindeutet. Bildrechte: Veronika Helga Vetter

Fazit

Dem Verkäufer von der Land­straße mache ich keinen Vor­wurf – er muss Umsatz machen, so läuft das Geschäft. Die Kundin hat dage­gen fast alles richtig gemacht: Trotz Verun­sicherung hat sie sich eine zweite Mei­n­ung einge­holt und mir durchge­hend ver­traut – selb­st als es beim alten Mac­Book um einen zusät­zlichen Reparat­u­rauf­trag ging. Der Aufwand war nicht ohne: Die Ret­tung der Baby­fo­tos hat Fin­ger­spitzenge­fühl, Know-how und Geduld gefordert. Am Ende lief alles rund – das Kind hat jet­zt ein funk­tions­fähiges Gerät zum Ler­nen und Zock­en, und die Dat­en sind sich­er. So soll’s sein.

Linux oder doch nicht? Mein Vor-Ort-Service für eine Studentin an der PH Linz

Ich habe der sech­sten Seite meines Leis­tungskat­a­logs ein stilles Denkmal geset­zt: Lin­ux. Warum? Weil’s legit­im ist. Seit 2017 betreibe ich einen Ubun­tu-Blog, pri­vat wie geschäftlich laufen meine Sys­teme fast durchge­hend auf Debian-Derivat­en – sta­bil, leise, effizient. Und wenn’s mal richtig kom­pliziert wird, hätte ich sog­ar jeman­den in der Hin­ter­hand, der für knif­flige Net­zw­erk-Prob­leme unter Lin­ux ins Feld ziehen kön­nte. Aber ich war von Anfang an real­is­tisch: „Das bucht in Linz eh kein­er.“ Und wie sich zeigt – die Real­ität gibt mir recht. Die meis­ten Rech­n­er, denen ich hier begeg­ne, atmen tief­stes Win­dows – manch­mal so tief, dass sog­ar noch XP auf­taucht. Dank mein­er Arbeit jet­zt zumin­d­est ein Exem­plar weniger.

Umso mehr war ich über­rascht, als eine What­sApp-Nachricht ein­traf. Absenderin: eine junge Frau, die ich im Fol­gen­den ein­fach Han­na nenne.

Han­na: „Ihr machts a Lin­ux?“

Ich: „Ja! Instal­la­tion, Wartung, Ein­rich­tung von Apps und Periph­erie – was darf’s sein?“

Han­na: „Ich studi­er an der PH. Mein Prof hat gemeint, wir soll­ten mehr Lin­ux nutzen.“

Han­na: „Ich hab euern Fly­er gese­hen und wollt fra­gen, ob ihr Lin­ux macht.“

Ich: „Hier ist der Link zum Leis­tungskat­a­log – Seite 6 sind unsere Lin­ux-Leis­tun­gen.“

Han­na: „Da ste­ht nix von Lin­ux.“

Ich: „Stimmt! Wir haben uns auf Ubun­tu spezial­isiert – das ist in den DACH-Staat­en am weitesten ver­bre­it­et und hat eine hohe Kom­pat­i­bil­ität mit Hard- und Soft­ware.“

Han­na: „Na, des muss schon Lin­ux sein.“

Han­na: „Mei Prof hat expliz­it von Lin­ux gere­det – des mit dem Pin­guin.“

😑 Ich: „Stell dir einen Men­schen vor: Alles, was du nicht siehst – also Skelett und Organe – ist bei allen gle­ich. Das ist Lin­ux. Das Äußere, also Klei­dung, Frisur usw., ist unter­schiedlich – das sind die Dis­tri­b­u­tio­nen. Ubun­tu, SteamOS, Fedo­ra, open­SUSE … es gibt über 500 ver­schiedene.“

Han­na: „Des kann scho alles sein, aber wenn, brauch ich des orig­i­nale Lin­ux.“

😑 Ich: „Wenn der Name Lin­ux drin­ste­hen soll, kann ich dir z. B. Lin­ux Mint (basiert auf Ubun­tu) oder MX Lin­ux (basiert auf Debian) instal­lieren. Ich will dir nix auf­schwatzen – wenn du magst, küm­mere ich mich auch ein­fach um dein Win­dows-Note­book. Aber vielle­icht fragst du deinen Prof ein­fach nochmal, was genau er meint.“

Han­na: „Na, bei mir is Win­dows 10 drauf. 11 schafft er nim­mer, und der Prof hat halt Lin­ux gemeint. Vielle­icht meld ich mich nochma.“

So langsam ver­stand ich, warum viele IT-Dien­stleis­ter auf kostenpflichtige Hot­lines oder KI-ges­teuerte Sprach­bots set­zen. Die unent­geltliche Aufk­lärungsar­beit frisst Zeit – und oft geht’s den Leuten eigentlich nur darum, sich kosten­los eine Bedi­enungsan­leitung rauszuziehen. In diesem Fall war’s okay. Wenn’s um Lin­ux geht, fühl ich mich in Linz manch­mal wie ein Mis­sion­ar – obwohl das nicht ganz stimmt: Ich mag Win­dows genau­so. Ich bekehre nie­man­den zum Pin­guin, ich will nur ein biss­chen mehr Vielfalt in Oberöster­re­ichs Betrieb­ssys­tem­land­schaft brin­gen.

Das Bild zeigt einen Screenshot von Ubuntu 24.04.2 LTS im eleganten „Dark Mode“. Die geöffnete Aktivitäten-Suchleiste bildet das Zentrum der Aufnahme und vermittelt einen ersten Eindruck davon, wie sich das Arbeiten auf einem modernen Linux-Desktop anfühlt: ruhig, fokussiert, aufgeräumt. In der Suchübersicht sind drei Programme prominent dargestellt – das vertraute Papierflieger-Icon von Telegram, das ikonische Terminal-Fenster mit schwarzem Hintergrund, und Microsoft Teams für Linux, das sich farblich harmonisch in die dunkle Oberfläche einfügt. Am linken Rand schiebt sich dezent die vertikale, lilafarbene Taskleiste ins Bild – ein typisches Merkmal der Gnome-Oberfläche unter Ubuntu. Sie verleiht dem Screenshot eine visuelle Struktur und rundet die Szene grafisch ab. Insgesamt wirkt alles klar, funktional und gleichzeitig angenehm unaufgeregt. Das Bild dient im Artikel als atmosphärisches Dekoelement – ein kleiner visueller Ausflug für Leserinnen, die sich unter „Linux“ bislang vielleicht nur einen schwarzen Bildschirm mit blinkendem Cursor vorgestellt haben. Hier wird sichtbar: Ubuntu kann modern, freundlich und absolut alltagstauglich aussehen. Zuerst veröffentlicht: Computerheld Linz - Mai 2025

Einige Tage später meldete sich Han­na wieder – dies­mal in deut­lich formellerem Ton. Aus dem läs­si­gen „Machts a Lin­ux?“ war plöt­zlich etwas gewor­den, das klang wie aus einem Amts­gang am Mag­is­trat.

Han­na: „Hal­lo, ich habe Rück­sprache gehal­ten. Mein Prof sagte, dass Ubun­tu gin­ge. Kön­ntest du auch direkt in die PH kom­men, Ubun­tu instal­lieren und es mir ein biss­chen erk­lären?“

Ich: „Hi, ja – alles kein Prob­lem. Möcht­est du, dass ich Ubun­tu neben Win­dows 10 instal­liere, sodass du beim Start auswählen kannst, oder soll Win­dows erset­zt wer­den?“

Han­na: „Auf dem Note­book soll kein Win­dows mehr sein.“

Wir vere­in­barten einen Ter­min. Tre­ff­punkt: erstes Obergeschoss der Päd­a­gogis­chen Hochschule in der Kaplan­hof­s­traße. Han­na erschien im schwarzen Train­ingsanzug mit Cap­py – als würde sie gle­ich irgend­was Ille­gales durchziehen. An ihrer Seite eine Kom­mili­tonin, die mit Nick­el­brille und akku­rat geschnit­ten­em Bob so aus­sah, als würde sie im Hin­ter­grund für bei­de die Hausar­beit­en schreiben.

Doch bevor Han­na den Auf­trag unter­schrieb, ging das Tänzchen wieder los:

Han­na: „Also Ubun­tu ist wirk­lich Lin­ux?“

😑 Ich: „Ja. Wir kön­nen auch kurz Chat­G­PT auf meinem Lap­top fra­gen.“

In Gedanken: Das hättest du in den let­zten sieben Tagen auch selb­st googeln kön­nen.

Han­na: „Na, wenn du des sagst, passts scho. Ich will halt wirk­lich Lin­ux und nix anders.“

In diesem Moment war sie wieder da – die ursprüngliche Han­na. Keine Amts­formeln, keine verkopfte Unsicher­heit – nur die direk­te, unge­brem­ste Art vom ersten Kon­takt.

Ich: „Wenn Ubun­tu instal­liert ist, alles ein­gerichtet und die Updates laufen, wirst du sehen – das Wort Lin­ux ste­ht an jed­er Ecke.“

Han­na: „Ja dann passts. Dann mach.“

Bevor sie es sich anders über­legen kon­nte, war mein Instal­la­tion­s­stick schon im Note­book und Ubiq­ui­ty ges­tartet. Ihre Kom­mili­tonin stand still daneben, sagte kein Wort – und plöt­zlich wurde mir klar, an wen sie mich erin­nerte: an Mar­cie aus Char­lie Brown.

Das Foto wurde in der Pädagogischen Hochschule in der Kaplanhofstraße aufgenommen – und wer schon einmal dort war, erkennt den Ort sofort: ein typischer Vierertisch, umrahmt von hohen, schwarzen Trennwänden, die eine halboffene Lerninsel bilden. Die Sitzflächen der Couch sind leuchtend rot und setzen einen markanten Kontrast – irgendwo zwischen Designmöbel und Studi-Lounge. Im Fokus des Bildes steht Hannas aufgeklappter Laptop. Der Bildschirm zeigt den Bootvorgang vor einer Ubuntu-Installation: schwarzer Hintergrund, mittig das HP-Logo, darunter das bekannte Ubuntu-Symbol in kreisförmiger Ladeanimation. Es ist der Moment kurz vor dem Ubiquity-Installer – unspektakulär für manche, aber symbolisch für einen Systemwechsel. Am Gerät steckt ein USB-Stick, befestigt an einem Schlüsselring, der gleich mehrere weitere USB-Sticks trägt – fast wie ein digitaler Werkzeuggürtel. Der Anblick wirkt ruhig, aufgeräumt und doch aufgeladen: ein technischer Zwischenzustand voller Möglichkeiten, irgendwo zwischen Notebook und Neuanfang. Computerheld Linz Mai 2025

Auf dem Auf­trag stand schlicht „Ubun­tu instal­lieren“. Erst während des Setups fiel mir auf, dass ich Han­na gar nicht gefragt hat­te, ob sie den Sys­tem­da­ten­träger ver­schlüs­seln will.

Ich: „Es tut mir leid – ich hätte dich noch fra­gen müssen, ob ich Ubun­tu mit Ver­schlüs­selung instal­lieren soll. Ger­ade bei einem Note­book wäre das sehr zu empfehlen. Wir müssten dafür aber einen neuen Auf­trag schreiben, weil das eine eigene Leis­tung ist.“

Han­na: „Na, des brauchts ned. Ich bin die Einzige, die das Note­book benutzt.“

Ich: „Du nutzt es in der Uni, in der Bib­lio­thek, in Kaf­fee­häusern … vielle­icht auch mal in einem Hotel oder irgend­wo im Urlaub, oder? Wenn du auf die Toi­lette gehst, nimmst du ja nicht dein ganzes Zeug mit. Du meldest dich ein­fach ab, der Bild­schirm sper­rt sich – und beim Zurück­kom­men gib­st du dein Pass­wort ein. Richtig?“

Han­na: „Ja, so wie du sagst. Ich klapp’s halt zu.“

Ich: „Okay. Und wenn dir in genau dem Moment jemand das Note­book klaut, sind ohne Ver­schlüs­selung alle deine Dat­en offen zugänglich. Als junge Frau wärst du ein beson­ders lohnen­des Ziel – die suchen nicht nach PDF-Dateien, son­dern nach kom­pro­mit­tieren­den Bildern. Solche Sachen lan­den dann in Erpres­sungs-E-Mails, nen­nt sich Sex­tor­tion.“

Han­na: „Oida, echt jet­zt? Sowas gibt’s?“

Ich: „Klar. Aber du bist eh auf der sicheren Seite – als Studierende erhältst du bei mir 20 % Rabatt auf alle Leis­tun­gen. Wir schreiben kurz einen neuen Auf­trag, und du bekommst für unter 100 Euro ein per­fekt ein­gerichtetes Ubun­tu mit voller Daten­trägerver­schlüs­selung. Danach kannst du über­all entspan­nt aufs Klo gehen.“

Han­na (blickt zu Mar­cie): „Was meinst?“

Mar­cie: „Macht schon Sinn.“

Während der Instal­la­tion sprach Han­na plöt­zlich über Nach­haltigkeit – wie sin­nvoll es doch sei, kein neues Win­dows-Note­book zu kaufen, son­dern auf Lin­ux zu set­zen. Es klang ein wenig so, als wolle sie Mar­cie damit überzeu­gen, selb­st auch den Sprung zu wagen.

Der Screenshot zeigt das Festplattenverwaltungs-Tool „Disks“ unter Ubuntu 24.04.2. Im Zentrum steht eine SanDisk SSD mit 1 TB Kapazität, auf der ein verschlüsseltes Laufwerk eingerichtet ist – deutlich gekennzeichnet durch das Kürzel „LUKS“, das für „Linux Unified Key Setup“ steht. Ein kleiner orangefarbener Pfeil hebt den verschlüsselten Bereich visuell hervor und verweist auf das integrierte Sicherheitssystem. Rechts unten im Fenster ist ein zusätzliches Schlosssymbol eingezeichnet – ebenfalls in Orange – das die aktive Verschlüsselung nochmals unterstreicht. Die farbliche Gestaltung wirkt dezent, aber klar: Hier ist etwas geschützt, abgeschirmt, sicher. Das Bild verdeutlicht, was bei der Ubuntu-Installation oft unsichtbar bleibt: Wer die Verschlüsselung aktiviert, schützt nicht nur den Zugriff im laufenden Betrieb, sondern auch im physischen Fall. Selbst wenn die Festplatte ausgebaut und an ein anderes Gerät angeschlossen wird, bleibt der Zugriff ohne das Passwort verwehrt. Auch Änderungen oder Reparaturen am Dateisystem sind in diesem Zustand nicht möglich – ein stiller Hinweis darauf, wie ernst Ubuntu Datensicherheit nehmen kann, wenn man es möchte. Computerheld Linz Mai 2025

Mar­cie: „Ähm, eine Frage – ist diese Ver­schlüs­selung bei Win­dows 11 mit drin?“

Ich: „Ab Win­dows 11 Pro ja. Muss aber meist erst aktiviert wer­den.“

Ich reichte Mar­cie eine laminierte Ver­sion meines Leis­tungskat­a­logs.

Ich: „Hier, ab Seite 7 begin­nen die Win­dows-Sys­tem-Leis­tun­gen.“

Ich: „Instal­la­tion fer­tig! Han­na, du bist jet­zt stolze Besitzerin eines Lin­ux-Sys­tems.“

Han­na: 😁

Ich: „Was dir dein Prof ver­mut­lich nicht gesagt hat: Die Akku­laufzeit ist unter Lin­ux meist schlechter als unter Win­dows. Ich kon­fig­uriere dir jet­zt ein paar Energies­parmech­a­nis­men, damit du möglichst lange durchkommst. Hier oben ist die Leiste – damit kannst du die Bild­schirmhel­ligkeit regeln. Wenn du im Dunkeln arbeitest, mach’s bitte auch dunkel – gut für die Augen, gut für den Akku.“

Han­na: „Ah, okay. Kannst du mich gle­ich ins eduroam brin­gen und die Dat­en von meinem Stick kopieren?“

Ich: „Ich bring dich ins WLAN, instal­liere die Updates und zeige dir kurz, wo alles ist. Für den Dat­en-Trans­fer bräucht­en wir eigentlich wieder einen Auf­trag – aber glaub mir, das schaffst du selb­st. Ich muss näm­lich bald zum näch­sten Kun­den.“

Han­na: „Zeig mir – wo seh ich, dass es wirk­lich Lin­ux ist?“

😑 Ich: „Du öffnest das Ter­mi­nal hier und gib­st diesen magis­chen Befehl ein: cat /proc/version

Dort stand es nun, weiß auf magenta­far­ben­em Ter­mi­nal-Hin­ter­grund:

Lin­ux ver­sion 6.8.0–59-generic

Han­na: 😁

Mar­cie: 😶

Ich: „Darf ich dir die Rech­nung nach­haltig an deine E‑Mail schick­en?“

Han­na: „Was? … Öh, ja.“

Während ich zusam­men­pack­te, sagte Han­na gefühlt zwanzig­mal: „Wie cool!“ Für einen kurzen Moment hat­te ich den Impuls, ihr wie Xzib­it bei Pimp My Ride ans T‑Shirt zu greifen und zu sagen: „You are offi­cial­ly pimped!“ Aber ich ließ es bleiben. Dieser Humor war ver­mut­lich nicht Gen-Z-kom­pat­i­bel – und so ver­ab­schiedete ich mich pro­fes­sionell.

Das Foto zeigt erneut Hannas Laptop, aufgenommen an einem der typischen Vierertische in der Pädagogischen Hochschule Kaplanhofstraße – eingerahmt von den markanten schwarzen Trennwänden und den leuchtend roten Sitzflächen der Couch. Die Szene wirkt vertraut: wie ein stiller Schnappschuss zwischen Seminar und Selbstlernphase, mitten im echten Studienalltag. Diesmal aber ist Ubuntu bereits vollständig installiert. Der Desktop zeigt die Oberfläche von Ubuntu 24.04.2 LTS im Live-Betrieb. Offen ist das praktische Schnellmenü in der rechten oberen Ecke – sichtbar sind Regler für Bildschirmhelligkeit und Lautstärke, beides modern gestaltet und intuitiv bedienbar. Bluetooth ist aktiviert, das WLAN verbunden – und zwar mit dem eduroam-Netzwerk der PH. Es ist ein kleines, aber bedeutendes Detail: Der Laptop ist nun voll einsatzbereit, sicher eingerichtet, vernetzt mit der Bildungswelt – und bereit für das, was Hanna vorhat. Das Bild vermittelt Ruhe, Stabilität und Funktion. Kein Setup-Screen mehr, kein Terminal – nur ein funktionierendes Linux-System, bereit für den Alltag einer digitalen Studentin. Computerheld Linz

Fazit

Han­na ist die Art Men­sch, der zuerst springt und erst danach fragt, wie tief’s ist – wach, entschlossen und garantiert nicht so leicht aus der Ruhe zu brin­gen. Ich bin mir sich­er: Sie wird sich in Ubun­tu schneller ein­find­en, als man „Ter­mi­nal“ sagen kann.

War’s helden­haft? Von Linus Tor­valds über Mark Shut­tle­worth und René Rebe bis hin zu Leo XIV. wür­den ver­mut­lich alle mit einem deut­lichen Ja antworten. Han­na: sichtlich glück­lich. Mar­cie: bes­timmt bald die Näch­ste. Und der ominöse Prof? Hof­fentlich stolz wie Oskar.

Ein schön­er Ein­satz – zwis­chen all den Drucker‑, WLAN- und Virus­prob­le­men, mit denen ich mich son­st herum­schlage, war das fast schon eine kleine Erweck­ung.