Woher bekommt Computerheld eigentlich seine Kunden? Die allermeisten kommen tatsächlich über Mundpropaganda – also durch Weiterempfehlungen. Trotzdem schicke ich hin und wieder die Teenager-Tochter einer Freundin mit Flyern und Visitenkarten los, um neue Einzugsgebiete zu erschließen. Danach sitze ich meist tagelang am Telefon und beantworte die Fragen verunsicherter Linzer. Vor allem ältere Herren stellen dabei immer dieselbe Frage: „Ist Computerheld seriös?“ Meine Standardantwort: „So seriös wie jede Kreissparkasse.“ Interessanterweise sind es nicht die Villenbesitzer aus dem Zaubertal, die Angst vor Betrügern haben. Die höchsten Barrieren finde ich bei Menschen, deren Lebenssituation an anderthalb Zimmer im Franckviertel mit EDV der Marke „Asbach Uralt“ erinnert.

Die Aufträge aus diesen Erstkontakten sind dann auch an Seriosität kaum zu überbieten: Windows-Pflege, E‑Mail, Drucker – kurz gesagt: „Unser täglich Brot gib uns heute“. Über das fünfzigste Inplace-Upgrade schreibe ich hier natürlich nicht. Spannend sind die chaotischen Einsätze, die zumeist bei Stammkunden und deren Bekanntenkreis entstehen.
Ich 📱: „Computerheld Linz, grüß Gott.“
Kunde: „Grüß Gott, spreche ich mit Veronika Vetter?“
Ich: „Am Apparat.“
Kunde: „Perfekt, hier ist der Ferdi. Darf ich Vroni zu dir sagen?“
Ich: „Ja, wenn’s hilft.“
Ferdi: „Vroni und Ferdi – wie im Heimatfilm 😄“
Ferdi: „Weißt du, was ein Typ-1-Hypervisor ist?“
Ich: „Ja. Eine Schicht zwischen Hardware und virtuellen Maschinen.“
Ferdi: „Und ReFS?“
Ich: „Windows-Dateisystem für VHD- und VHDX-Dateien.“
Langsam fühlte ich mich an eine Liedzeile erinnert: „Mein Gott, ich wusste nicht, dass das ’ne Quizshow ist. Ich werd’n bisschen geil und krieg ’n bisschen Schiss.“ (Props an Fettes Brot.)
Ferdi: „Perfekt. Der Roman hat schon gesagt, dass du was kannst. Du hast ihm mal in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geholfen. Er hat dich empfohlen.“
Ferdi: „Ich bin gerade am Plattensee. Betreibe mehrere Sprachschulen in Ungarn. Wohne meist in Hargelsberg. Dort brauche ich einen kleinen Windows-Server. Den baust du mir auf.“
Ferdi: „Heute Abend schicke ich dir meinen Adjutanten André mit Hardware und Bargeld vorbei. Du berichtest aber nur mir.“

Ich: „Du weißt, dass ich einen PC-Vor-Ort-Service betreibe und keine Werkstatt habe. Eigentlich brauchst du eher einen B2B-Dienstleister für Windows Server…“
Ferdi: 😠 „Die zocken alle nur ab und bringen keine Leistung. Ich brauche keinen adipösen, phlegmatischen ITler kurz vor der Pension, der mir erklärt, was alles nicht geht.“
Ferdi: „Ich brauche einen Macher. Ich bin Magister, habe zwei Ingenieurstitel und keine Zeit mehr für IT. Ich delegiere das. Du kannst ein Teil davon sein.“
Der Monolog erinnerte mich an die bayerische Kultserie Kir Royal, in der Generaldirektor Heinrich Haffenloher sagt: „Mensch, Baby, Junge – ich will doch nur dein Freund sein – komm und jetzt sag Heini zu mir.“
TL;DR: Am selben Abend kam der „Adjutant André“ tatsächlich vorbei – mit sehr spezieller Hardware und einer Portion Bargeld.

André stand plötzlich mit einem SilverStone SST-CS380 V2 Midi-Tower im Arm vor mir, oben drauf zwei Kartons. Nachdem er alles vorsichtig am Boden abgestellt hatte, drückte er mir einen kleinen Schlüssel in die Hand und sagte:
- „Vorsicht, da sind schon Festplatten drin. Er will’s vor allem leise und ordentlich. Und er kontrolliert das.“
Im Gehäuse steckten mechanische 3,5‑Zoll-Festplatten mit einer Gesamtkapazität von satten 48 Terabyte. Spätestens da war klar: Das wird kein Bastel-PC, sondern ein ernstzunehmender File-Server – sehr wahrscheinlich mit Active Directory. Wie genau das Setup aussehen sollte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Die Laufwerke werden bei diesem Modell per Hot-Swap direkt in eine zentrale Backplane geschoben, die sich im Inneren des Gehäuses befindet. Von dort aus führen die Datenleitungen sauber zum Mainboard. Eine durchdachte Lösung, die zeigt, dass Server nicht zwingend in lauten Racks im Keller stehen müssen, sondern auch als unauffällige Workstation-Tower funktionieren können. André hatte ja bereits betont, dass Ferdi ein möglichst leiser Betrieb extrem wichtig sei. Genau hier zeigte sich allerdings schon das erste Problem.

Die drei vorinstallierten Gehäuselüfter waren nämlich nur mit 3‑Pin-Anschlüssen ausgestattet. Damit unterstützen sie keine PWM-Steuerung und lassen sich nicht sauber über das UEFI regeln. In der Praxis heißt das: Dauerbetrieb auf hoher Drehzahl – und entsprechendem Lärmpegel. Für mein legendäres „Saugen-Blasen-Airflow-Konzept“ waren also mindestens drei neue 120-Millimeter-PWM-Lüfter Pflicht. Und das war erst der Anfang. Die Bedarfsliste war zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht abgearbeitet.

Zwar lag bereits eine M.2‑SSD bei, die ich sofort mit einem lagernden Heatsink veredelte – doch damit war das System noch lange nicht komplett. Es fehlten der Arbeitsspeicher, das Netzteil und vor allem: die CPU. Kurz gesagt: Das Projekt stand technisch noch auf halber Strecke. Also war es an der Zeit, meinen Auftraggeber auf diese kleinen, aber entscheidenden „Details“ aufmerksam zu machen.
Ich 📞: „Ich baue dir das System gern fertig, aber aktuell fehlen noch einige zentrale Hardware-Komponenten.“
Ferdi 😐: „Dann lass dir halt was einfallen.“
Ich 🤨: „Was heißt das konkret? Soll ich die Teile bestellen? Ich weiß ja noch nicht einmal, wofür du den Server genau einsetzen willst.“
Ferdi: „Ganz ehrlich: Ich weiß es selbst noch nicht bis ins Detail.“
Ferdi: „Denk in die Breite, nicht in die Spitze. Am Ende betreust du das System ohnehin. Bau es so, als wäre es dein eigenes.“
Ferdi: „Ich brauch’s nicht schnell. Ich brauch’s perfekt orchestriert.“
Ferdi: „Wenn du mehr Budget brauchst, sprich direkt mit André – der führt Buch. Aber übertreib’s nicht.“
Ferdi: „Ich bin Anfang März wieder in Österreich. Vielleicht hast du bis dahin schon etwas Funktionierendes zusammengebaut. Würde mich freuen.“

Eine passende AMD-CPU für den Sockel AM4 zu finden, die für einen stabilen Serverbetrieb taugt, ist alles andere als trivial. Das ist vermutlich die schwierigste Einzelentscheidung in diesem ganzen Projekt. Ich bin jedenfalls jetzt schon gespannt, wie es mit Ferdi weitergeht. Gleichzeitig wurde mir langsam klar, warum er bei anderen Dienstleistern offenbar abgeblitzt ist. Von strukturiertem Vorgehen war bisher nämlich wenig zu sehen. Wer stellt bitte abends halbfertige Hardware vor der Haustür einer fremden Person ab, liefert kein Konzept mit – und spricht dabei, als würde man sich seit zwanzig Jahren kennen? Tja. Einige Computerheld-Kunden sind halt genau so. 😉
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Im Zweifel lassen wir uns was einfallen.
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